Nachdem sie im Alter von 17 Jahren für 1000 Euro von einem Freund der Familie verkauft wurde, zwang man sie, als Prostituierte Geld für ihre Entführer zu verdienen. Zwei lange Jahre vergingen, in denen sie von Stadt zu Stadt gebracht wurde und in Büschen oder auf dem Rücksitz eines Autos als Sexsklavin dienen musste. Ihr Leben wurde zu einem unvorstellbaren Albtraum. Nach ihrer Flucht brachten wir sie an einen sicheren Ort und halfen ihr, Kontakt mit der Polizei aufzunehmen, die ihre Entführer verfolgten. Heute ist sie frei.

Am anderen Ende der Stadt nimmt ein zweites Schicksal der Versklavung seinen Lauf, nur in einer anderen Form. Ein Mädchen, das schon in frühem Alter sexuell missbraucht worden war, glaubt der Lüge eines Mannes, sie zu heiraten und erklärt sich bereit, sich zur finanziellen Unterstützung der beiden zu prostituieren. Aus den versprochenen sechs Wochen wurden sechs Jahre. Und obwohl er sie schließlich verließ, steckte sie im verhängnisvollen Lebensstils einer Prostituierten fest und klammerte sich nur noch an die Hoffnung, jemand würde ihr eines Tages helfen auszusteigen. Dank unseres Teams konnte  sie sich aus dieser Situation befreien und ist nun dabei ihr Leben wieder aufzubauen.

Beide Geschichten zeigen die Realität der Zwangsprostitution in Deutschland. 

 

Der sexhandel - ein funktionierendes system

Kurz erklärt schließt der Begriff Sexhandel jede sexuelle Handlung wie Prostitution, Strippen, Pornographie usw. ein, die gegen den Willen der Ausübenden oder zum Zweck der Ausbeutung geschieht und für die Geld gezahlt wird. Es ist schwierig, in Deutschland Zwangsprostitution oder Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung nachzuweisen. Somit ist das Gericht ausschließlich auf den Mut derjenigen Frauen angewiesen, die sich bereit erklären auszusagen, das sie für ihre Tätigkeit unter Druck gesetzt oder gezwungen wurden.

Wenn Menschenhändler oder Zuhälter ihre Opfer einmal in das System der in Deutschland legalen Prostitution eingeführt haben, müssen sie meist nur noch einen geringen Aufwand betreiben, um sie dort zu behalten. So werden viele Frauen von einer zerstörerischen Abwärtsspirale eines Lebens als Zwangsprostituierte erfasst. Finanzielle Perspektiven spielen hier eine wichtige Rolle und viele Frauen gehen hohe Risiken ein, um sich versorgen zu können oder bei ihren Zuhältern abzuzahlen. Dabei bringen sie sich in gefährliche Situationen und erleiden körperliche und psychische Schäden, die ihr Selbstwertgefühl zunichtemachen. Indem die Zuhälter den Frauen gezielt falsche Hoffnungen auf ein besseres Leben und leere Versprechungen über eine gemeinsame Zukunft machen, erhalten sie den Glauben daran aufrecht.

Die meisten Menschenhändler sind sich der Macht dieser Mittel über das Leben ihrer Opfer bewusst und müssen nur noch selten Zwang, Lügen oder Drohungen einsetzen, um die Frauen im System zu behalten. Dies stellt die unsichtbaren Ketten dar, mit denen ein Großteil der Opfer des Sexhandels gefesselt ist.