Unsere Geschichte

Hintergrund

Unsere Historie beginnt mit der Geschichte einer jungen Nigerianerin, die unter dem Vorwand, dass in Italien ein Job als Kindermädchen auf sie warten würde, nach Europa verschleppt wurde. Als sie ankam, wurde ihr der Pass abgenommen und sie, um ihre aufgeblähte Reiseschuld zurückzuzahlen, zur Prostitution gezwungen. Nachdem die Frau Hilfe bei einer lokalen Kirchengemeinde suchte, wandte diese sich an die örtliche Polizei. Zu ihrem Entsetzen wurde ihnen gesagt, dass diese Art von kriminellen Aktivitäten von der Mafia kontrolliert werden und es nichts gäbe, was sie tun könnten. Die Frau verschwand am nächsten Tag.

Justin und Rawan Shrum, die Gründer des Justice Projects, arbeiteten in einem schnell wachsenden Immobilienunternehmen in den USA, als sie zum ersten Mal von Menschenhandel und der Geschichte dieser nigerianischen Frau hörten. Diese Geschichte und das Schicksal der Frau ergriff ihre Herzen in einer Weise, die sie sich nicht abschütteln konnten. Eine Frage ließ sie nicht mehr los: Wenn die Polizei nicht in der Lage ist, jemandem in einer solchen Situation zu helfen, welche Hoffnung gibt es dann? Was kann man tun? Zu akzeptieren, dass es keine Hoffnung für diese Frauen geben sollte, kam für sie nicht in Frage und so fühlten sie einen klaren Aufruf, sich gegen diese Form des Unrechts und der Ausbeutung, zu engagieren.

Gründung und Beginn der Arbeit

Dies führte Justin und Rawan auf eine Reise ein Projekt, mit dem Streben nach Gerechtigkeit, The Justice Project, international voranzutreiben. Im Jahr 2010 zogen sie nach Karlsruhe und begannen mit dem Aufbau einer Organisation, die sich auf die Identifizierung und Unterstützung von Betroffenen von Menschenhandel mit dem Ziel der sexuellen Ausbeutung und der Arbeit an legalisierter Prostitution konzentriert.

Die praktische Arbeit des Justice Projects begann mit Teams von Freiwilligen, die sich an Frauen wandten, die im Karlsruher Rotlichtviertel und in den umliegenden Bordellen arbeiteten. Im Jahr 2011 haben wir "Beauty Day Events" ins Leben gerufen, bei denen die Frauen eingeladen wurden, Zeit außerhalb ihrer Arbeitsorte in einer entspannten Umgebung zu verbringen, wo sie kostenlose professionelle Schönheitsbehandlungen erhalten und unser Team kennenlernen konnten. Die Resonanz auf das Salon-Event war überwältigend positiv und die Frauen begannen zu fragen, ob sie regelmäßig kommen und sich treffen könnten, um über ihre Probleme zu sprechen und Hilfe auf verschiedenen Ebenen zu erhalten.

Der Weg in die Professionalisierung - Frauencafé Mariposa

Dies war der Auslöser für die Eröffnung einer Anlaufstelle, welche von The Justice Project e.V., inzwischen ein eingetragener Verein, im Jahr 2015 mit dem Namen “Mariposa Frauencafé” eröffnet werden konnte. "Mariposa" ist das spanische Wort für Schmetterling und ist ein Symbol für Ausdauer, Veränderung, Hoffnung und Leben. Die Beratungsstelle arbeitet daran, Frauen in Not mit freien professionellen Dienstleistern wie Ärzten, Anwälten, Sprachlehrern, Schuldnerberatern, Traumatherapeuten, Sozialarbeitern, alternativen Stellenangeboten und mehr zu verbinden. In unserem Frauen-Café gibt es zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen sowie weitere Freiwillige, die dazu beitragen, die wertvolle soziale Betreuung zu schaffen, die wir Frauen in der Prostitution anbieten können.

Bis heute hat sich Mariposa zu einer professionellen Beratungsstelle für in der Prostitution tätige Frauen entwickelt und bietet ein System aus offener Anlaufstelle, akzeptierender Hilfe, Unterstützung bei Ausstiegswunsch und der Vermittlung zu weiteren Hilfsangeboten an.

Der nächste Schritt - ein Schutzhaus für Betroffene

Während sich die Arbeit von Mariposa entwickelte, nahm The Justice Project e.V. das Bestreben auf, ein sicheres Haus zu eröffnen und ein begleitendes Genesungsprogramm für Betroffene von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung ins Leben zu rufen. Beides für Frauen mit Ausstiegswunsch, die sowohl eine anonyme Wohnung als auch spezielle Pflege benötigen. Nach der offiziellen Eröffnung im Jahr 2016 und den ersten Bewohnerinnen, landeten vier nigerianische Frauen, die vor ihren Schleppern in Italien und Spanien geflohen waren, in Karlsruhe und wurden in unserem Schutzhaus gebracht.

Ausbau des Hilfeangebots - Zusätzlicher Fokus auf Frauen aus Nigeria

Diese bedeutende Entwicklung führte zur Gründung einer zweiten Beratungsstelle innerhalb unserer Arbeit: “Oase”. “Oase” ist speziell auf nigerianische (westafrikanische) Opfer von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung ausgerichtet. Das angebotene Hilfesystem reicht von der Identifizierung in den Karlsruher Flüchtlingsaufnahmezentren, in welchen die Frauen nach ihrer Ankunft in Deutschland registriert werden, über die, sofern benötigte, Unterbringung in unserem Schutzhaus, der Begleitung im Asylprozess bis hin zu unserem vorbereitenden Integrationsprogamm. Dank professioneller Partnerschaften mit den zuständigen lokalen Behörden, anderen Hilfsorganisationen, Kirchengemeinden, Unternehmen, individuellen Sponsoren und lokalen Fachkräften können diese betroffenen Frauen konkrete Hilfe finden.

Wachstum und Herausforderungen

Der Ausbau der Arbeitsbereiche brachte viele neue Chancen, aber stellte den noch jungen Verein vor große, auch finanzielle, Herausforderungen. Es galt den Weg aus einer Organisation von Ehrenamtlichen in eine professionelle Hilfsorganisation mit mehreren Aufgabenbereichen und Angestellten, verschiedenen Örtlichkeiten und rechtlichen, strukturellen und organisatorischen Anforderungen zu meistern. Ein entscheidender Meilenstein dieser Entwicklung war die erstmalige Förderung von Aktion Mensch (Beginn 2016), welche zusätzlich 1,5 Stellen ermöglichte und somit einen entscheidenden Beitrag in der Professionalisierung der Personalstruktur leistete. Ausgehend von dieser Basis konnte The Justice Project e.V. in den letzten Jahren auf gesunde Art und Weise wachsen, die Arbeit ausbauen, neue Sozialarbeiterinnen beschäftigen und auch die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Prävention, Netzwerke und Fundraising professionalisieren.

Das Jahr 2019

Heute ist The Justice Project e.V. eine auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Hilfsorganisation für Betroffene von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung und in der Prostitution tätige Frauen. Neben den Gründern Justin und Rawan, welche die Organisation weiter als Vorstand und Leiter führen, beschäftigt The Justice Project vier Sozialarbeiterinnen, zwei pädagogische Fachkräfte, eine Soziologin und einen organisatorischen Leiter für die wirtschaftlichen Bereiche wie Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising.

Seit vielen Jahren ist The Justice Project Mitglied in deutschlandweiten und internationalen Verbänden, pflegt intensive lokale Kooperationen zu Ämtern, Behörden und anderen Hilfsorganisationen und versucht durch Öffentlichkeitsarbeit und Prävention eine Sensibilität der Gesellschaft für das Thema zu erreichen.